Summer ♥f Life

1. Peter kommt durchs Fenster 

Jeder weiß, dass Kinder erwachsen werden müssen. Wendy wusste es schon seit langem. Aber sie dachte nicht viel darüber nach, bis sie Peter Pan kennenlernte...

Wendy lebte mit ihrer Mutte und ihrem Vater, Mr. und Mrs. Darling, und ihren beiden Brüdern in einem hohen Haus in London. Wendy war zuerst auf die Welt gekommen. Dann kam John und dann Michael.

Mrs. Darling war eine hübsche, romantische Dame, die ihre Kinder liebte. Mr. Darling liebte seine Kinder auch, aber nicht ganz auf dieselbe Weise, weil er sich immer Sorgen ums Geld machte.

Das Kindermädchen, das sich um seine Kinder kümmerte, war nicht ganz das, was er sich gewünscht hätte, aber ein anderes konnte er sich nicht leisten. Es war eine adrette Neufundländerin namens Nana, die eigentlich keinem gehört hatte, bis die Darlings ihr in Kensington Gardens begegneten und sie einstellten.

Nana erwies sich als Schatz. Sie konnte auf einen Blick sehen, wenn einer ihrer Schützlinge richtig krank war. Und wenn Mrs. Darling unverhofft Besuch bekam und ihn ins Kinderzimmer führte, hatte Nana Michael schon längst seine beste Schürze umgebunden und sein Haar gebürstet, bevor die Gäste an der Kinderzimmertür standen.

Wie alle ordentlichen Kindermädchen hatte auch Nana einen Abend in der Woche frei. Dann nahm Mrs. Darling ihren Platz im Kinderzimmer ein.

Manchmal, bevor es Zeit war, ins Bett gesteckt zu werden, erzählte Wendy ihrer Mutter vom Niemalsland, ihrer geheimen Zauberinsel. John sagte, die Insel liege an einer fantastischen Lagune mit Flamingos, die darüberfliegen.

"Auf der Insel wohne ich in einem Haus aus Blättern", sagte Wendy. "Und Peter kommt mich besuchen..."

Einmal wollte Mrs. Darling mehr über Peter wissen. "Wer ist denn das, mein Schatz?" "Es ist Peter Pan. Das weißt du doch Mutter", sagte Wendy. "Er ist nicht erwachsen geworden und er kann fliegen! Manchmal kommt er ins Kinderzimmer und setzt sich ans Fußende meines Bettes und spielt auf seiner Flöte!"

Mrs. Darling war nach diesem Gespräch ein bisschen verwirrt und beunruhigt. Sie versuchte sich zu erinnern, ob sie jemals von einem Jungen namens Peter Pan gehört oder etwas über ihn gelesen hatte. Schließlich erinnerte sie sich, dass es hieß, er wohne bei den Feen.

In manchen Nächten, wenn Mrs. Darling im Kinderzimmer wachte, saß sie still neben dem Kaminfeuer, ohne alle Sorgen. Aber in dieser besonderen Nacht schaute sie sich immer wieder in dem gemütlichen Zimmer um. Die vertrauten Spielsachen, Michaels Arche Noah und das liebste, treue Schaukelpferd, das Puppenhaus und die Bücher - das alles tröstete sie. Und doch war sie ruhelos und nervös, bis sie ihre Näharbeit aufnahm.

Als sie so still dasaß und nähte, begann ihr Kopf zu nicken. Und dann schlief sie sanft, ganz, ganz sanft, ein, und während sie schlief, hatte sie einen Traum...

In ihrem Traum war das geheimnisvolle Niemalsland, von dem Wendy manchmal sprach, sehr, sehr nahe gekommen. Da war dieser seltsame Junge. Auch er war ganz nah bei ihr. Es war, als habe er sich losgerissen, um sie zu besuchen.

Und dann flog das Fenster des Kinderzimmers plötzlich auf und ein Junge fiel tatsächlich zu Boden.

Dieser merkwürdige Junge war nicht allein. Bei ihm war ein helles Licht, strahlend schön, aber nicht größer als eine Faust, das wie etwas Lebendiges im Zimmer herumsprang. Ich glaube, es war dieses helle Licht, das Mrs. Darling aufweckte.

Sie erwachte mit einem Schrei. Als sie den hübschen Jungen sah, wusste sie gleich, wer es war - Peter Pan! Er war in Blätter gekleidet, sah aber irgendwie doch ganz normal aus. Mrs. Darling starrte ihn immerzu an, und um zu zeigen, wie sehr er Erwachsene verabscheute, schnitt er ihr eine fürchterliche Grimasse, was die arme Frau sehr aufregte.

2. Der Schatten

Man kann es Mrs. Darling kaum verübeln, dass sie schrie. Sie schrie und schrie, und wie eine Antwort auf ihr Schreien flog die Kinderzimmertür auf und herein kam Nana, zurück von ihrem freien Abend.

Nana achtete nicht auf Mrs. Darling. Mit einem tiefen, wütenden Knurren stürzte sie sich auf den seltsamen Jungen, der es gewagt hatte, in ihr Kinderzimmer einzudringen. Aber Peter Pan war zu schnell für sie. Mit einer einzigen graziösen Bewegung sprang er leicht zum Fenster hinauf und dann hindurch.

Das Kinderzimmer lag im dritten Stock, ganz oben in dem hohen Haus, und Mrs. Darling, die fürchtete, der hübsche Junge habe sich zu Tode gestürzt, rannte aus dem Zimmer und die Treppe hinunter auf die Straße, um seinen armen, kleinen Körper zu suchen. Aber natürlich war er nicht da. Als sie in den schwarzen Himmel hinaufblickte, sah sie nur etwas, was sie für eine Sternschnuppe hielt.

Sie ging ins Kinderzimmer zurück und sah, dass Nana etwas zwischen den Zähnen hielt. Es war der Schatten des Jungen! Als er durchs Fenster sprang, hatte Nana es zugeschlagen. Sie hatte zwar Peter selbst nicht erwischt, aber sein Schatten hatte nicht mehr fliehen können.

Mrs. Darling nahm den Schatten und rollte ihn sorgfältig zusammen. Dann legte sie ihn in eine Schublade, bis sie ihrem Mann von dem seltsamen Besucher erzählen konnte.

Eine ganze Woche verging, bis Mrs. Darling Gelegenheit hatte, mit ihrem Mann über die ungewöhnlichen Dinge zu reden, die sich im Kinderzimmer zugetragen hatten.

"Euer Vater und ich gehen aus. Wir sind zum Abendessen in der Nummer 27 eingeladen", sagte sie zu den Kindern. "Wir sind also nicht weit weg."

Dann wollte sie damit anfangen, ihm von dem seltsamen Jungen und seinem verlorenen Schatten zu erzählen, als Nana ins Zimmer kam, und wie es manchmal so geht: Mr. Darling stieß heftig mit ihr zusammen. Natürlich war es nicht Nanas Schuld, aber Mr. Darlings nagelneue Hose, die eleganteste, die er je getragen hatte, war voll von ihren langen Haaren. Natürlich bürstete Mrs. Darling die Haare sofort ab, aber ihr Mann war so verärgert, dass er wieder einmal davon anfing, was für ein Fehler es doch war, einen Hund als Kindermädchen zu beschäftigen!

"George, Nana ist ein Schatz!", rief Mrs. Darling empört aus. Doch um zu zeigen, dass er Herr des Hauses war, verbannte Mr. Darling die arme Nana in den Hof - samt Hundehütte und allem!

Dann begann Mrs. Darling ihm von Peter Pan zu berichten. Mr. Darling lachte über die ganze Geschichte, aber als er den Schatten sah, wurde er nachdenklich. Und er war immer noch nachdenklich, als Nana unten im Hof zu bellen begann.

Wendy sagte: "So bellt Nana immer, wenn sie Gefahr wittert." "Bist du sicher, Wendy?", fragte Mrs. Darling und zitterte. Sie ging zum Fenster und sah nach, ob es fest verschlossen war. "Der Himmel ist heute mit wunderschönen Sternen übersät", sagte sie. Dann ging sie aus dem Kinderzimmer.


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